Gert Robert Grünert

*1959 in Köln geboren, aufgewachsen in Frechen

Am 27.12.1959 in Köln geboren, aufgewachsen in Frechen;
zur Zeit wohnhaft in 53894 Mechernich, Rochusstraße 12, 02256/959040,
E-Mail: gruenert-jol@t-online.de.

Ab September 2010 Mitglied des Autorenkreises Rhein-Erft.

Seit 1990 Opern-und Multimedialibretti, sowie Liedtexte, für den
Komponisten Dieter Schönbach ( geboren 1931 in Stolp).
(z.B. „Nostradamus“, „Die Rache des menschlichen Herzens“, „Germanico al reno“)

Beiträge in Lyrikanthologien. (zuletzt 2011 in „Versnetze_vier“, Herausgeber Axel Kutsch,Verlag Ralf Liebe, Weilerswist)

Voraussichtlich erscheint im Oktober 2011 ein schmaler Band mit dem Titel „Flußschnellen“, Gedichte und Analysen; wahrscheinlich im Engelsdorfer Verlag, Leipzig.

A1 nicht 1A oder…..Der Umweg
Die große Bahnhofsuhr der
Kleinen Ortsanbindung
Ausfallend
Um…
Zeigt Fünfvor
Irgendwo muß ja
Der Wurm drin ticken…
Die Fichten kümmern
Sich um uns
Beschattet vom Klimawandel
Und Handel
Mit Verschmutzungsrechten
Überbelichtet
Blinzelt
Das Negativ
Unsrer Gesichter
In den fraglichen Sommer
Eines abermals säglichen Jahrs

Und doch bricht sich
Was als Pusteblume begann
Ungeachtet der Geleise
Überall Bahn
Und die Climatronic
Segnet
Mit leisem Frösteln
Die Eisheiligen
Im Vorfeld


Agenda Zehn Zwanzig
Zum Einen :
Ja der Fortschritt
Ins Heilige Land der Technologie
Ist eines Christen Pflicht
Einen Fortgang
Muß alles
Ja schließlich doch haben
Nicht Koller zu sagen

Der Hinweg hinweg zur Lösung
Ein Katzensprung aus der festen Materie
Einen Satz zur Erhaltung der Energie
Die man den Rückzug anzutreten
Wohl wird noch brauchen können
Ja ja
Man muß halt mit der Zeit gehen
Ja ja mit der Zeit muß man gehen

Was heute modern wird morgen modern
Aber
Up to date sind wir
Wozu
Gibt’s schließlich Dreimonatskalender?

Mit der Zeit muß man gehen
Das ist nicht zu kurz gedacht
Halt dich dran
Man muß sich dranhalten

Ja ja sei dein Wort
Mit der Zeit muß man gehen
Ja ja
Also nein
Diese ewigen Neinsager
Kann ich dir sagen
Bin ich
Sowas von satt

So!

Ins Land das gelobte/

Das wars!



Als es jung war...
Sprachs mit der Sonne
Und lauschte dem Wind
Jetzt/
Golden geworden
Horcht es dem Ofen
Und spricht nun/
Zu wem
?


Auf ein Papier
Nur eins ist wirklich schön und friedlich
Ein Baum,-so alt-so jung-so ernst
Zwar liebst du sie sehr unterschiedlich
Doch wehe,wenn du dich ihnen ganz entfernst

Nie sehe ich klarer wie ich träume
Nie bin ich wacher als in Trance
Die Zeiten weichen und die Räume
All wird’s unendliche Balance

Weil ich mich unter ihnen wandle
Und mich verjünge ururalt
Sein lasse nicht mehr streit und handle
Im Schutz des Baums beim Ruhen im Wald

Nimmt neu der Ekel überhand
Vom Zank und Hysteriegelärme
Und fühl ich mich fremd unverwandt
Wo irgend mich kein Sinn mehr wärme

Dann sehnt sich eisig und zerspalten
Mein Herz und Hirn nach jenem Land
Wo niemand mehr ist ungehalten
Weil Halt er oder Haltung fand

Dies ist der Tod-vielleicht poetisch
Ist er das Sterben das ich merk
Und dem zum Zeichen dieser Fetisch
Ein Stück von Bäumen sei mein Werk


Ausflug
Sonntagmorgennebel
An Erstsilbenblau wird gespart
Nüchtern / vom Knebel
Kirchgang und Ausflugsfahrt

Niflheim heidnische Hölle
Die Kirche / Kimme Korn
Eine ungesund grellgrüne Welle
Hinter dem Horizont / vorn

Die stillen Pauken Taus
Zittern wie gelackt
Auf Autos stehend in Staus
Und spiegeln nackt

Sonntagmorgennebel
An Erstsilbenblau wird gespart
Nüchtern / vom Knebel
Kirchgang und Ausflugsfahrt

Niflheim heidnische Hölle
Die Kirche / Kimme Korn
Eine ungesund grellgrüne Welle
Hinter dem Horizont / vorn

Die stillen Pauken Taus
Zittern wie gelackt /
Vor Ungeduld
Auf Autos stehend in Staus
Und spiegeln nackt
E Schuld


Das Blatt
Das Blatt
Eins der Blätter
Eines der noch nicht
Zähligen Blätter
Des Weltenbaums //eines Oktobertages
Eines Oktobers all der Oktober
/Und nur eines Falls Perspektive
Denn noch /
lebt der Baum .
...
Und wären sie zählig
Wozu es dann zählen ?
...
Feuer und Erde
Hat es gegessen
Getrunken
Wasser und Luft .

Der Mensch hebt es auf / um-nicht-um-zu-fallen .
...
Es aufhebend/stürzt seine Stirn .


Der Wald
Wie Zaubersprüche klingts zunächst
Früh Wind der in den Zweigen kreiselt
Schnee der auf Buchenherbstlaub streuselt
Und Duft von Hähern wach umkrächzt

Ob es im Winterwald knarrnd ächzt
Ob es in Frühlingsforsten säuselt
Ob Schattenkronen Sonnglut kräuselt
Ob Herbst laubwerfend Wärme lechzt

Immer und ewig ists Geraune
Zwerge Trolle Elfen Faune
Bleiben wenn du dich entfernst

Kehr doch um und kehre wieder
Schöpfe Mut und Stille - Lieder
Ruhig gelassen deutlich ernst


Eifel-Fata-Morgana
Die im Sommer flirrende Asphaltdecke schön säuberlich
Umgeschlagen…
Und auch die niederländischen Motorradfahrer
Bunter noch
Ihre Maschinen
Kommen hierher zum Schlaf
Zur Ruh
Gleißen immer am selben Punkt noch einmal kurz auf da
Vor der Haarnadelkurve…
Die flimmernde Asphaltdecke…
Der Mittelstreifen unterbricht
Säuberlich

Das blühende Leben
Links fällts und rechts von der Straße
Zum Graben hin
Oder zur Böschung auf
Ab…
Trennungsstriche?...Bindestriche?...
Gedankenstriche…
Gehen Gedanken
Ins Flachland zu Fuß…


Global Player (2011)
Wie freuen sich die Leute
Über
Das schöne Wetter
Man wird braun
Ja wie-!?
Und bekommt Lust
In und aus
ländische Grenzen
zu überschreiten…

Kinder!!

Doch die Natur
Zieht die Dead-Line

Das Brot
Wird teurer
Und plötzlich redet
Wieder alles
Ganz anders
Vom Wetter


Glück
Für Bäume schreib ich
Und durch Bäume
Ich leb durch Bäume innerlich
Und äußere mich nur für Bäume
Durch sie nur ist die Welt belaubt/
Und jedes Buch gleicht ihrem Ernste
Und jede Schrift ist ihre Träume/
Nur ihretwegen gibt es Reime
Und Rhythmen/sterne überhaupt/ /
Für Bäume schreib ich/ und durch Bäume
Mehr als es irgendjemand glaubt/
Mir selber scheints fast wunderlich/ /...
...
/Nur ihretwegen gibt es Reime ...// nur ihretwegen / / lebe ich /...


Haiku
Herstlaub auf der Flucht
An Zaun und Mauer noch jetzt
Doch störts den Frühling


Herbstanfang
Jetzt ist die Erde eine offne Stätte
An Halmen haftet und auf Scheiben Reif
Spinnenuhren ticken ruhig um die Wette
Und langsam legt sich alles schlafen – „live“

Unter den weiten blauen Himmeln die verglasen
Ziehen Pilze langsam wie Gewölk
Im sanften moosverdickten Rasen
Ruhen frisch abgeschmolzne Blätter –bereits welk

Sie fallen ab zu Boden und vergraun
Die Spinnenuhren ticken weiter um die Wette
Uns wird so ob man keine Wahl mehr hätte
Als alldem selbst rings ruhig still zuzuschaun ...


Januarende
Nebulös
Tag-und Nachtgleiche
Leere Ansitze
Anstandslos geräumt
Vor Lichtmeß
Wie gut auch getarnt

Ein weites Feld /
Klammheit / wohin
Man spürt

Windkraftpro
Peller unsichtbar
Stille
Schächtungen
In den Himmel

Eine ausladende Badewanne
Auf der grauen Weide
Steht ein Hund
Hebt herrnlos das Bein am Haus
Und dampft ab

Abschüssiger Kreisverkehr
Auf einem Achtungsschild
Vorfahrt gewähren /
Hugin und Munin /
Als säßen sie
Dem Sonntag selbst
Auf der Schulter


Juni
Früher kniete man
Man sprang erfreut empor
Wenn diese Zeit begann
Die Kühle sich verlor

Man Luft ließ an die Haut
Sich wohlig räkeln konnte
Den Wolken nachgeschaut
Sich regte froh und sonnte

Sah wie Natur es schaffte
In wenig Tagen Wochen
Daß staunend stolz man gaffte
Und Wohlgeruch gerochen

Einst sah man Göttin Juno
In jedwedem Gewächs
Heut gurkt man unisono
Und nennt sie nur „Nullsechs“



Komische Vögel
Da machen sie uns wieder glauben
Saubermänner abzustauben
Bettelnd uns zugleich zu schrauben
Wie die Stummen und die Tauben
Unsre Stimme uns zu rauben
Unsre Kreuze aufzuklauben
Wie sie voller Sorge hasten
In Textilien die passten
Und fromm nickend nickend fasten
Um letztendlich auszurasten
Um die Hälse güldne Lasten
Auf den Schultern schwere Quasten
Uns beehrend und belehrend
Nichts entbehrend doch bekehrend
Sich vermehrend uns betörend
Uns verstörend uns empörend
Hängen da wohl hingehörend
Drohend aber sich nicht wehrend
Da …an den Laternenmasten…


Mensch und Wald
Du Fächer –etwas löchrig
Sommerkühle spendend
Du Puzzlespiel-das nie sich völlig schließt
Du Vogelsang-dich ewig an uns wendend
Auch ohne dass das Blut
Von Drachen man vergießt

Du schirm bei Wind und Wetter
Du Nachbarschaft des Bauern
Erholungsort dem Städter
Wie friedlich deine Mauern
Uns laden zu dir ein-
Den Einsamen romantisch
Romantischer zu zwein-
Und raunend je semantisch
Du stimmungsvoller Platz
Du voll Musik der Stille
Du Märchen- Sagenschatz
Du ganz vollkommne Fülle

Du Mandala- du schöne Friedensstrophe
Symbol des Lebens Schutz als auch Bann und Gefahr
Du Fluchtasyl bei jeder Katastrophe
Du Ort der Ruhe uns ist- und einstmals Heimat war

Dem Eremit Zuhaus
Dem Bösewicht Verlies
Halt Haus und Hort du-Baldachin und Nest
Du frühes Eden-altes Paradies
Dem nie genug sich dank-und denken lässt

Kreuzbraves Heiligtum
Mit gotisch bunten Fenstern
Germanisch dunkler Dom
Voll Geistern und Gespenstern

Du Tag der letzten Nacht-du Nacht des nächsten Tages
Den Atem weitend uns mit deiner Kronen Pracht
Bestimmungsort der Schrift-du möchtest schweigen? –Sag es!
Buchstaben halten hier der Sprache je die Wacht

Du Seelenhort – du Herzensapotheke
Du Ozean an Land
Du Wipfel dem Verstand
Du Wurzel der Gebete
Du atmest ruhig uns an- als wie für uns gemacht
Wie man im Schlaf selbst sann-war man von dir bedacht

Du besser anderes -als sich der Mensch ersann
Du Los des Wanderers-als Freiheit und als Bann
Lichtkampf und Lebensruh
Du Gold-du Silber du-
Du Lebenselixier
Du Eckern- Eichelmast
Buchstabe und Papier
Aufmunterung und Rast
Du der du lieb uns hasßt-
Faß uns mit deinen Armen
Und laß uns dich erfassen
Dass wir gerührt erwarmen
Und dich bestehen lassen

Sobald das Licht wird schwach
Lässt du den Himmel durch
Und machst uns dafür wach
Zu kennen keine Furcht

Wohl unter dumpfen Schlägen
Metallischen der Axt
Spürn wir die Angst vor Sägen
Die Du –Mensch- an schon packst…